Trends 2018: Wohin geht die Reise für die Kirche?

"Die Veränderung der Welt wird sich nicht verlangsamen, sondern noch beschleunigen", sagt Carey Nieuwhof, der Gründungspastor der dynamischen Connexus Church in Ontario, Canada. Er belässt es nicht bei dieser allgemeinen Aussage, sondern nennt konkrete Veränderungen mit denen die Kirche konfrontiert ist. Carey Nieuwhof spricht dabei in erster Linie für die Kirche auf seinem Kontinent. Aber wenn wir die Lage in Westeuropa betrachten, spüren wir, dass diese Trends früher oder später auch uns betreffen. Das sind Herausforderungen, aber Herausforderungen beinhalten auch Chancen.

 

Einige Trends, die für mich sehr nachvollziehbar sind: 

 

1. Kirche „out of the box“

Die Vorstellung dass man Gott nur zu einer festgesetzten Zeit am Sonntag begegnen kann wird immer ungewohnter. Wir können zu jeder Zeit einkaufen, Reisen buchen, Filme und Musik hören. Für die junge Generation ist es deshalb schwer vorstellbar, dass ein Gottesdiensterlebnis nur an zwei Stunden in der Woche an einem Ort stattfindet. Warum ist das nicht in den restlichen 166 Stunden der Woche möglich? Kirchen brauchen eine Strategie, wie Menschen zu verschiedenen Zeiten Gottesdienste erleben können.

 

2. Das Digitale wird das Reale

Fast alle Menschen leben heute in der analogen und in der digitalen Welt. Vielleicht kaufst du noch Milch im Supermarkt, aber du liest Nachrichten auf deinem Smartphone und bestellst Filme online.

Für viele Jahre hat die Kirche diskutiert, ob der digitale Raum real ist: die downloads, die Streaming-Zuschauer ... sollen wir diese wirklich als Besucherzahl werten. Manche Gemeinden haben heute bereits mehr digitale als analoge Besucher.

Den Wert der digitalen Besucher nicht zu schätzen und als Ressource zu sehen ist so, wie wenn Karstadt fragen würde, ob Amazon-Verkäufe real sind. Die digitale Welt ist eine reale Welt und eine Chance Menschen zu erreichen und zu vernetzen.

  

3. Mehr Predigt als Lehre

Predigt und Lehre sind nie so einfach zu unterscheiden: Aber Predigt spricht mehr zum Herzen und Lehre spricht mehr zum Verstand

Der Prediger vermittelt mehr ein Erlebnis, der Lehrer gibt eher Informationen. Die Reaktion auf die Predigt ist eher:  Das stimmt – ich muss mich ändern; die Reaktion auf Lehre ist eher: richtig, das ist eine guter Punkt. Sicher brauchen wir ein Ausgewogenheit von Predigt und Lehre: Predigt ohne Lehre kann zu emotional sein; Lehre ohne Predigt wird zu intellektuell. Doch es scheint für den Gottesdienst angebracht, eher den Schwerpunkt auf eine motivierende, inspirierende Predigt zu legen, die das Herz der Menschen erreicht.

  

4. Wunsch nach echten Erfahrung (nicht zum Download)

Es ist fast ein Paradox aber es ist auch nachvollziehbar: Bei aller digitalen Orientierung suchen die Menschen dann auch wieder analog emotionale Erlebnisse. Wenn alles, was eine Kirche anbietet, digital ist, wird sie viele Downloads haben; wenn die Kirche spürbare Erlebnisse vermittelt, werden die Leute weiterhin die  Kirche besuchen. Eine relevante Kirche ist digital präsent aber sie schafft auch positive und wertschätzende Begegnungsräume für Menschen. 

 

5. Team statt einsame Leitung

In vielen Berufen ist es so, dass keiner alles wissen und können kann. Man muss sich vernetzen, auf Synergien setzen, um gemeinsam ans Ziel zu kommen. Die Leitung einer Kirchengemeinde  ist heute komplexer als früher und deshalb bilden sich immer mehr Leitungsteams, die ihre Stärke in der Ergänzung haben. Gute Leiter sehen die Begabungen in anderen Menschen, und nehmen sich die Menschen zur Seite, mit denen sie ein effektives Team formen können. 

 

In diesen Veränderungen liegen sehr gute Chancen und Anknüpfungspunkte. Es kann begeisternd sein, sich auf diese Möglichkeiten einzulassen und in dieser Welt Menschen zu begegnen und das Reich Gottes zu bauen. Es ist doch irgendwie positiv: Mehr Kirche unter der Woche, digitale Medien nutzen, inspirierende Predigt, wertschätzende Begegnungsräume für Menschen, Zusammenarbeit in Teams - auf geht's!

 

Peter Riedl

 

Den Original Artikel von Carey Nieuwhof gibt es hier

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